Mit einer Zeremonie im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion sind die Word Transplant Games am 24. August zu Ende gegangen. Eine Woche lang kämpften mehr als 2.000 Menschen aus 51 Nationen um Gold, Silber und Bronze. Das besondere: Alle Sportlerinnen und Sportler tragen ein gespendetes Organ in sich, sind Knochenmarkempfänger, Lebendspender oder stammen aus einer Familie eines Organspenders. Mit dabei waren die TSV-Mitglieder Andreas und Sandra Knop mit ihren Söhnen Samuel (16) und Lars (13).

Team Deutschland bei den World Transplant Games 2025

Team Deutschland bei den World Transplant Games 2025

Andreas, ihr wart als Athleten in Dresden dabei. Was sind die World Transplant Games (WTG) und wer kann daran teilnehmen?

Die WTG sind die Weltmeisterschaft der Transplantierten, ähnlich wie die Paralympics. Es gibt dabei Wettkämpfe in 17 Sportarten, darunter Tennis, Schwimmen, Leichtathletik oder Sprintmarathon. Die WTG findet alle zwei Jahre statt, zuletzt in Perth in Australien. In diesem Jahr kamen die Weltspiele zum ersten Mal nach Deutschland, genauer gesagt nach Dresden. Teilnehmen kann jeder Mensch mit einer transplantierten Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Knochenmark. Und dann sind da noch die Donor, also die Spender, das können Lebendspender und Angehörige aus Spenderfamilien sein. Die jüngste Teilnehmerin war 5, der älteste 89 Jahre alt.

Ihr habt als gesamte Familie teilgenommen.

Richtig. Vor 6 Jahren waren meine Nierenwerte so schlecht, dass ich an die Dialyse musste. Schon zuvor hatte sich meine Frau Sandra angeboten, mir eine Niere zu spenden. Die Alternative wäre Dialyse gewesen, dreimal die Woche 4 Stunden an der Maschine bis eine passende Niere gefunden wird, und das kann dauern – durchschnittlich 9 Jahre in Deutschland. Bei Sandra und mir hat es glücklicherweise gepasst, wir waren ein gutes „Match“. Seitdem kann ich sagen „läuft bei mir!“. Mit Sandra als Lebendspenderin konnten die beiden Jungs ebenfalls als Donor-Family teilnehmen.

Familie Knop steht vor der Tribüne auf dem Rasen im Heinz-Steyer-Stadion

Familie Knop beim Abschluss der World Transplant Games 2025 in Dresden

Du und Sandra, ihr spielt seit 4 Jahren Tischtennis beim TSV-Heimaterde. Wie kam das?

Nach der Transplantation wollten wir gemeinsam Sport machen und Tischtennis spielen. Und der TSV-Heimaterde ist nicht nur bei uns um die Ecke, wir wurden auch als Anfänger gut aufgenommen. Leider konnten wir bei den WTG nicht gemeinsam im Doppel antreten, da die Donor aus organisatorischen Gründen nur an ausgewählten Sportarten antreten konnten.

Für mich war beim Tischtennis aber bereits nach der Vorrunde Schluss, sowohl beim Einzel als auch beim Mixed-Doppel mit meiner Teampartnerin Sandra Hügelschäfer aus Rheinland-Pfalz. Die Gegner aus Griechenland, Österreich und Ungarn waren zu stark, nur gegen Großbritannien konnten wir ein klaren 3:0-Sieg erreichen.

Zwei Mixed-Teams spielen Tischtennis, links das Team aus Österreich, rechts das deutsche Team.

Im Mixed-Doppel gegen Österreich (Foto: ©WTG2025/YesVideography)

Dafür hattet ihr in den anderen Disziplin mehr Erfolg. Gleich 7 Medaillen konntet ihr mit nach Hause bringen.

Das waren Sandra und die beiden Jungs. Samuel hat direkt am ersten Tag im 5km-Lauf die erste Goldmedaille für das deutsche Team gewonnen. Sandra und Lars sind jeweils Vize-Weltmeister in ihren Altersklassen im Pétanque, das ist die Wettkampfvariante von Boule. Und das war hart erkämpft, bei Sonne und 30°C auf einem Ascheplatz musste Sandra gegen Südafrika, Hongkong, Kanada, Deutschland und im Finale gegen die USA antreten.

Siegerehrung beim Pétanque der Spender-Damen, Sandra Knop auf Platz 2

2. Platz für Sandra bei den Spender-Damen im Pétanque

Bei mir hat es nicht für Medaillen gereicht, aber ich bin über 50m Freistil eine persönliche Bestzeit geschwommen und bin mit meinem 8. Platz sehr zufrieden. Und bei meiner letzten Disziplin, dem 5km-Race-Walking, war ich mit 35:37 Minuten der Schnellste im deutschen Team bei den Transplantierten; nur Samuel war noch schneller. Hinzu kommen noch Gold und Bronze für Samuel und Sandra beim Darts, Gold für Lars beim Brustschwimmen und nochmal Gold für Samuel beim 5km-Race-Walking.

Gold im 50m Brustschwimmen an Lars, überreicht von WTG-Präsidentin Liz Schick

Mehr als 2000 Athleten aus der ganzen Welt sind nach Dresden gekommen. Ging es dabei nur um die sportlichen Erfolge oder gab es noch eine besondere Stimmung obendrein?

Die ganze Woche war einfach nur abgefahren, es war eine riesige Ansammlung aus positiver Energie, Empathie und Lebensfreude. Der olympische Gedanke „Dabei sein ist Alles“ bekommt hier noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Wer einmal in der Situation war, auf ein Spenderherz oder eine Leber zu warten, der kann sich nicht vorstellen, jemals wieder Sport zu treiben. Für mich gab es Zeiten, da konnte ich mir kaum die Schuhe zubinden. Heute spiele ich wieder Tischtennis, gehe Laufen und Schwimmen. Dafür bin ich meiner Frau ewig dankbar, ohne ihre Spende wäre das absolut nicht möglich gewesen. Und diese tiefe Dankbarkeit, die war überall zu spüren. Bei der Eröffnungsfeier lief jedes Land einzeln in Stadion ein, das deutsches Team als Gastgeber am Ende. Als dann nach uns die Donor aufgerufen wurden und an der Tribüne vorbeiliefen, da sprangen alle von ihren Sitzen auf und es gab lange Standing Ovations. Ich denke, dass in diesem Moment viele Tränen in den Augen hatten. Die wenigsten konnten sich bei ihren Spender persönlich bedanken. Sie wollen ihren unbekannten Wohltäter ehren, indem sie gesund leben, Sport machen und bei den Wettkämpfen alles geben.

Gold für Samuel im 5km Laufen bei den U18-Herren, hier mit Maskottchen TX

Es gab so viele Begegnungen mit wildfremden Menschen aus fernen Ländern, und alle sind freundlich und happy. Zum Beispiel Josh, ein junger Mann aus Neuseeland, der nach einer Leukämieerkrankung eine Stammzellenspende bekam. Er kam zu den WTG nach Deutschland und lernte in Dresden seine Knochenmark-Spenderin kennen. Oder der griechische Tischtennisspieler, der vor fast 40 Jahren eine Niere von seinem Vater bekam. Der Papa ist heute 95 Jahre alt.
Und bei den Wettkämpfen wurde jede und jeder angefeuert: Die 11-jährige, die einen neuen World Transplant Games Record beim 25-m-Freistil aufstellte, und der 89-jährige Brite, der nach 16 Minuten beim 1.500m-Lauf als letztes ins Ziel einläuft.

Die Organspende-Situation in Deutschland steht immer wieder in der Kritik. Im internationalen Vergleich steht Deutschland auf den hintersten Rängen. War das auch ein Thema bei den WTG?

Absolut. In Deutschland kommen auf eine Million Einwohner 11 Organspender. In Spanien sind es viermal so viel. Wenn überall auf der Welt die deutschen Regeln und Gesetze gelten würden, wäre über die Hälfte der Teilnehmer, die jetzt in Dresden dabei waren, inzwischen längst tot. Mit den WTG wollen wir wieder mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Wir wollen zeigen, dass man auch nach einer Transplantation noch aktiv am Leben teilnehmen kann. Und das es sich lohnt, einen Organspendeausweis auszufüllen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann eine Niere, Leber oder Herz benötigt, ist um ein mehrfaches höher, als dass man selbst Organspender wird.

Die nächsten World Transplant Games finden 2027 in Leuven in Belgien statt.

Und da sind wir wieder mit am Start!

Noch mehr Eindrücke und viele emotionale Bilder seht ihr im folgenden Video:

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